Trends, die bewegen

Innovationen und Trends sind die Treiber der Food & Beverage-Branche. In kaum einer anderen gibt es Jahr für Jahr so viele Neuheiten, welche die internationale Vielfalt noch erweitern.

Die Anuga setzt und unterstreicht die wirklichen globalen Trends: zehn Themen, die zeigen, was derzeit gefragt ist und wohin der Weg führt.

Die vegane Lebensweise findet weltweit immer mehr Anhänger. Vegan zu leben bedeutet eine Ernährung auf rein pflanzlicher Basis, also die Vermeidung aller tierischen Lebensmittel wie Fleisch, Milchprodukte, Eier und Honig. Außerdem werden oft Leder und alle an Tieren getesteten Produkte gemieden. Der Veganismus geht über den Vegetarismus hinaus und Aussagen wie z. B. „veganfreundlich“ oder „für Veganer geeignet“ werden verwendet, um die Produkte von herkömmlichen vegetarischen Sortimenten zu unterscheiden.

Gut 40 % der im ersten Halbjahr 2015 von Innova Market Insights weltweit registrierten Neuprodukte im Nahrungsmittel- und Getränkebereich waren aus verschiedenen Gründen als Gesundheitsprodukt positioniert. Davon waren jedoch nur 8,4 % mit einer „aktiven“ oder funktionalen Gesundheitsauslobung ausgezeichnet. Die Anzahl der Produkte mit einer explizit funktionalen oder „aktiven“ Gesundheitsauslobung nimmt infolge der strengeren Vorschriften für die besagten Produktaussagen innerhalb der Europäischen Union weiterhin ab. Weltweit gesehen konnte jedoch eine Stabilisierung oder sogar eine Zunahme der Neueinführungen mit funktionaler Gesundheitsauslobung festgestellt werden. Die Situation innerhalb der Europäischen Union hat die bereits auf dem Markt agierenden Unternehmen zu einem Umdenken bewegt. Sie greifen zunehmend auf weicher formulierte Produktversprechen zurück und setzen gleichzeitig auf das gestiegene Konsumentenbewusstsein bestimmter Produkte und Inhaltsstoffe.

Kochshows im Fernsehen und Feinschmecker-Blogs rufen ein anhaltendes Interesse für Kochen im eigenen Zuhause hervor. Es wird als modisch, spaßig und sozial sowie als gesund und kostengünstig angesehen. Dies steigert die Nachfrage nach einer größeren Auswahl an frischen Lebensmitteln und Zutaten zum Kochen und nach Rezeptvorschlägen von Herstellern und Händlern.

Einzelhändler haben die wachsende Anzahl an Feinschmeckern erkannt und daher die Vielfalt und Qualität ihres Angebotes an frischen Produkten diesem Trend angepasst. Insbesondere mehr Premium und „Mix and Match“ Produkte (Sauce, Fleisch und Gemüse im Paket), die im Supermarkt leicht zugänglich gemacht werden, sind von Feinschmeckern gefragt.

Die Konsumenten fordern mehr Transparenz in Bezug auf die Kennzeichnung von Lebensmitteln im Allgemeinen, was insbesondere auch die Halal-Zertifizierung von Lebensmitteln betrifft. Das steigende Handelsvolumen im Nahen Osten und den islamischen südostasiatischen Märkten bietet den Lebensmittelherstellern neue Chancen – allerdings sei das Halal-Zertifikat unabdingbare Voraussetzung für einen Markteinstieg.

Eine Analyse der weltweit von Innova Market Insights registrierten Produktneueinführungen ergab für das Jahr 2014 eine um

24 % höhere Anzahl von Produkten mit Halal-Zertifizierung als im Jahr 2010. Zwar richtet sich die Mehrzahl der Halal-zertifizierten Produkte an Verbraucher im Nahen Osten und Asien, jedoch ist eine deutliche Zunahme auf den Märkten auch außerhalb dieser Regionen zu erkennen (43 % für 2014 im Vergleich zu 2010). Es gibt Halal-Zertifizierungen in einer Vielzahl von Warengruppen – „Kleingebäck“ und „Herzhafte/Salzige Snacks“ waren bei Produktneueinführungen weltweit führende Artikelgruppen im Jahr 2014. Es wird ein weiterer weltweiter Anstieg der Nachfrage nach Halal-zertifizierten Produkten erwartet.

Das Angebot im Bereich der Bio-Nahrungsmittel nimmt kontinuierlich zu. 7,4 % aller im Jahre 2014 von Innova Market Insights registrierten Produktneueinführungen weisen eine Bio-Auslobung auf. Dies bedeutet eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den 5,8 % im Jahr 2013. Die meisten Produktneueinführungen im Bereich Bio gab es 2014 in den folgenden Unterwarengruppen: Saft und Saftgetränke (6,8 %), Babynahrung (6,4 %), Tee (6 %) und Schokolade (4,6 %). Hingegen stagnierte die Entwicklung bei den Produktneueinführungen mit einer „natürlichen“ Auslobung auf einem gleichbleibenden Niveau von 6,5 % für den Beobachtungszeitraum der letzten drei Jahre.

Bezüglich der regionalen Häufigkeit des Produktversprechens Bio bestehen erhebliche Unterschiede. Erwartungsgemäß entfiel mit 48 % der allergrößte Anteil der Bio-Produktneueinführungen auf Westeuropa, gefolgt von Nordamerika (23 %) und Asien

(17 %). Alle anderen großen Regionen der Welt blieben mit ihren Anteilen jeweils unter der Marke von 5 %.

Die Nachfrage der Konsumenten nach gesunden Zutaten wird von einer Reihe von Faktoren getrieben, darunter die Alterung der Bevölkerung, das steigende Interesse an gesunden Lebensweisen, Besorgnis über Fettleibigkeit und ein wachsendes Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit. Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie verstärkt die Nachfrage gezielt durch hohe Investitionen in Produktentwicklung und Werbemaßnahmen. Obwohl für Zutaten mit expliziter Gesundheitsauslobung in einigen Fällen immer noch Preisaufschläge anfallen, weisen diese Produkte auf dem Nahrungsmittel- und Getränkemarkt insgesamt ein überdurchschnittliches Wachstum auf – mit erheblichen Spielräumen für noch höhere Zuwachsraten, insbesondere in den Märkten der Schwellenländer.

Weltweit gesehen verzeichnet der Anteil der Handelsmarken an allen Produktneueinführungen signifikante Zuwächse. Allerdings variiert die Marktdurchdringung der Handelsmarken je nach Region dabei erheblich. Beispielsweise belegen die Zahlen der im Jahr 2014 von Innova Market Insights beobachteten Produktneueinführungen, dass diese für Westeuropa bei 25,4 % lagen, während die Marktdurchdringung der Eigenmarken des Handels in Asien einen deutlich niedrigeren Wert von 8,4 % erreichte. Hier erweist sich die ausgeprägte Markentreue in den Schwellenmärkten als Herausforderung für die Handelsmarken, sodass eine Konsolidierung in den entwickelten Märkten von entscheidender Bedeutung ist. Dadurch bekommen Innovationen wiederum eine entscheidende Rolle.

Die anhaltende Besorgnis um die langfristige Nachhaltigkeit der globalen Nahrungsmittelkette und die Forderung nach Transparenz der Herkunft der Zutaten haben weitreichende Folgen – sowohl für die Lebensmittelhersteller als auch für die Verbraucher. Ein Bereich der Produktneuentwicklung, der besonders von der anhaltenden Nachhaltigkeits- und Gesundheitsorientierung profitiert, ist der Bereich der vegetarischen Nahrungsmittel. Innova Market Insights meldete einen Anstieg von weltweit 22 % zwischen 2013 und 2014 für die registrierten Produktneueinführungen mit vegetarischer Positionierung. Weitere Zuwächse sind aufgrund der steigenden Nachfrage abzusehen.Zudem hat sich der Bereich der vegetarischen Fleischersatzprodukte stark entwickelt: Die Konsumenten können sich hier mittlerweile einer wesentlich größeren Produktvielfalt sowie eines stärker ausgeprägten Convenience-Angebots bedienen.

Produktneuentwicklungen mit einer ethischen Auslobung nehmen weiterhin weltweit zu. So meldete Innova Market Insights für Produkte mit einer tieroder menschenfreundlichen Auslobung für 2014 einen Anstieg in Höhe von 59 % im Vergleich zum Vorjahr. Der moderne Verbraucher ist zunehmend offener für alle ethischen Aspekte. In diesem Zusammenhang ist die Fairtrade-Bewegung durchaus als Hauptkatalysator für Produktneueinführungen mit ethischer Auslobung zu sehen. Die Zunahme im Bereich der Fairtrade-zertifizierten Produktneueinführungen war ebenfalls sehr stark – Innova Market Insights meldete hier einen Zuwachs von 26 % für 2014 im Vergleich zum Vorjahr.

Das Angebot koscherer Produkte, also von Lebensmitteln, die den jüdischen Speisegesetzen entsprechen, nimmt gemäß der Analyse der von Innova Market Insights weltweit registrierten Produktneueinführungen zu. Die Anzahl der Produktneueinführungen von koscheren Lebensmitteln stieg von 2012 auf 2013 um 38 %, von 2013 auf 2014 um weitere 21 %. Hier wird deutlich, dass die Lebensmittelhersteller das erhebliche Marktpotential erkennen, das eine Koscher-Zertifizierung eröffnen kann.

Bezüglich der regionalen Verfügbarkeit von koscheren Lebensmitteln bestehen erhebliche Unterschiede. Im Jahre 2014 kamen 62 % aller Koscher-Produktneueinführungen aus Nordamerika, gefolgt vom Nahen Osten (9 %) und Asien (9 %). Weltweit gesehen entfiel 2014 von allen Produkten mit der Aussage „Koscher“ der größte Anteil auf die Artikelgruppe Schokolade (7,1 %), gefolgt von süßem Kleingebäck (5,4 %) und herzhaften/salzigen Snacks (4,9 %). Ein schnelles Wachstum bei Produktneueinführungen mit Koscher-Zertifizierung st für Regionen zu erwarten, in denen die größte Nachfrage nach koscheren Convenience-Produkten besteht.