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Fleischfrei in die Zukunft?

27.04.2020

Der Wandel vom Grillhähnchen-Fan zum eingefleischten Vegetarier ist heute leichter denn je: Mit dem zunehmenden Wunsch der Konsumenten nach alternativen Angeboten zu Fleisch und Fisch hat sich mittlerweile ein fester Markt für vegetarische und vegane Produkte etabliert.

Verzichten, ohne zu verzichten? Was scheinbar wie ein Widerspruch klingt, ist für 6,1 Millionen Menschen in Deutschland Realität. Laut Statista ist das die Anzahl der Menschen in Deutschland, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Und für die ist gesorgt: Hieß „fleischfrei leben“ früher noch, sich mit Karotten statt Schnitzel zu begnügen, gibt es heute einen wachsenden Markt an Alternativprodukten. Dabei ist vom vegetarischen Schinken bis zu veganen Burger Patties alles verfügbar. Immer mehr Lebensmittelproduzenten und Franchiseketten erkennen diese Entwicklung und bauen das Angebot an fleischfreier Ernährung aus.

Das macht sich inzwischen auch am Markt bemerkbar: Laut Lebensmittelzeitung lag der Umsatz mit vegetarischen und veganen Lebensmitteln 2019 bei 1,22 Milliarden Euro. Ein deutlicher Zuwachs zum Jahr 2017 mit einem Umsatz von 736 Millionen Euro. Aber die Entwicklung endet damit nicht. Tatsächlich war Deutschland 2018 im internationalen Vergleich sogar der wichtigste Markt für vegane Produkte. Rund 15 % der weltweit neu eingeführten veganen Lebensmittel feierten hierzulande ihre Premiere.

Vegetarismus und Veganismus: dem Trend auf der Spur

Fleischfreie Ernährung: Vegini to go

Beweggründe für eine fleischfreie Ernährung

Was bewegt 6,1 Millionen Deutsche, sich einer vegetarischen oder veganen Ernährung zu verschreiben? Drei Aspekte stehen meist klar im Vordergrund: Neben dem naheliegenden Grund des Tierwohls wollen die Menschen einen Beitrag für den Erhalt von Umweltsystemen leisten und mit Blick auf die eigene Gesundheit auf Fleisch verzichten. Was die Konsumenten in der heutigen Zeit darüber hinaus zu einer fleischfreien Ernährung motiviert, weiß Lukas Wischenbart von Vegini to go: „Immer mehr Konsumenten machen sich Gedanken darüber, wo die Lebensmittel, die sie zu sich nehmen, herkommen, welche Zutaten enthalten sind und wie nachhaltig die Verpackung ist. Die Produkte sollten regional, allergenfrei, nachhaltig verpackt und wenn möglich auch noch ohne Zusatzstoffe sein.“

Zwischen Werten und Wandel

Sind also die Konsumenten von Fleischersatzprodukten auch die kritischeren Einkäufer? Der Handelsmarkenmonitor 2018 legt das nahe: 86% der Vegetarier und Veganer wünschen sich ein unabhängiges Siegel, das garantiert, dass Produkte auch wirklich vegetarisch oder vegan sind. Der Kennzeichnung von Handelsmarken als „vegetarisch“ oder „vegan“ trauen dabei nur 64% der Befragten. In vegetarischen, vor allem aber in veganen Kreisen wird darüber in Online-Foren oder auf Social Media oft sehr kontrovers diskutiert. Hersteller mit mangelndem Fingerspitzengefühl können hier schnell den Unmut der Community auf sich ziehen.

Für die Unternehmen der Food-Branche ist dies Ansporn genug, immer wieder nach neuen Methoden und Wegen zu suchen, den kritischen Ansprüchen ihrer Kunden gerecht zu werden. So will zum Beispiel das finnische Start-up Solar Foods mithilfe eines Bakteriums Protein aus CO2, Wasserstoff und Nährstoffen herstellen und erklärt, dass die Herstellung unter den richtigen Voraussetzungen fünf- bis zehnmal klimafreundlicher als der Anbau von Pflanzen sein soll. Oder das Unternehmen Beyond Meat, dessen Frikadellen Fleisch ähneln sollen, aber aus Erbsenprotein bestehen. Mit dem erfolgreichsten Börsengang in den USA seit dem Jahr 2000 und einem enormen Wachstum satteln die Kalifornier dabei ganz klar auf dem aktuellen Zeitgeist auf.

Achtung, Verwechslungsgefahr!

Beyond Meat ist längst nicht mehr das einzige Unternehmen, welches bei seinen Produkten vor allem auf den fleischähnlichen Geschmack setzt. Die wachsende Nachfrage nach leckeren Fleischalternativen bringt vor allem Produkte mit sich, die sich geschmacklich an ihren tierischen Vorlagen orientieren. Lukas Wischenbart: „Dieser Hype, der entstanden ist, treibt natürlich alle Anbieter an, noch bessere fleischähnlichere Alternativen zu entwickeln und dem Endkonsumente eine breite Auswahl anbieten zu können.“ Es sei besonders bemerkenswert, „wie nah die neusten Produktentwicklungen in diesem Bereich wirklich an Fleisch herankommen und dabei nicht nur Geschmack und Biss imitieren, sondern teilweise sogar bessere Nährwerte als die tierischen Pendants vorweisen. Gerade in den letzten drei Jahren hat es hier enorme Fortschritte gegeben. In Zukunft werden auch andere Hersteller nachziehen und härter daran arbeiten die Produkte möglichst natürlich, ohne zahlreiche Zusatzstoffe und zugesetzte Aromen herzustellen.“

Eine interessante Entwicklung, die sich in Zukunft positiv auf die Anzahl von Vegetariern und Veganern auswirken könnte. Der Einstieg in die fleischfreie Ernährung wird durch diese Produkte extrem erleichtert.

Trend oder Wende?

Fleischfreie Produkte auf der Anuga Organic

Ein Ende der Nachfrage an Alternativprodukten ist vorerst nicht in Sicht. Die Unternehmensberater von A.T. Kearney prognostizieren sogar, dass bis zum Jahr 2040 der Umsatz mit Fleischersatzprodukten weiter ansteigt und mit Fleischprodukten konstant sinkt. Experten von J.P. Morgan und Barclay vermuten, dass der sinkende Umsatz bis 2035 ungefähr zehn Prozent Verlust für die Fleischindustrie bedeuten könnte. Wenn es nach Lukas Wischenbart geht, wird der Trend nicht nur anhalten, sondern die Lebensmittelbranche langfristig verändern: „Weniger Fleisch und dafür öfter pflanzliche Alternativen zu konsumieren, wird sich positiv auf verschiedene Bereiche auswirken. Wenn weniger Fleisch konsumiert wird, bedeutet dies ein Schrumpfen der Massentierhaltung mit all ihren Problemen. Folglich reduzieren sich dann etwa auch die Futtermittelimporte aus Südamerika und somit die Abholzung des Regenwaldes.“

Fleischfreie Ernährung und pflanzliche Alternativen scheinen das Potenzial zu haben, nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Ein Thema, das sicherlich auch auf der Anuga 2021 im Fokus des Interesses stehen wird.