Sung-Hee Kim über den Hype um die koreanische Küche
Koreanische Küche – vom Hype zum Marktwandel
Unter dem Motto „Flavor meets Trends“ zeigte Korea als Partnerland der Anuga 2025 eine starke Präsenz. Wie bringt man nun koreanische Küche erfolgreich nach Deutschland? Sung-Hee Kim, die Gründerin des Food-Startups Arang, spricht im Interview mit uns darüber, was die koreanische Kulinarik einzigartig macht, wie sie sich hierzulande etablieren lässt und welche Chancen sie für die Zukunft von K-Food sieht.
Porträt von Sung-Hee Kim, Inhaberin von Arang (Bild: © Arang)
Über Sung-Hee Kim
Seit 2021 bringt Sung-Hee Kim, Gründerin von Arang, mit ihrem Food-Startup authentische koreanische Aromen auf den deutschen Markt.
Arang: So hieß das erste koreanische Restaurant Norddeutschlands, das ihre Eltern 1975 in Hamburg eröffneten. 50 Jahre später führt Sung-Hee Kim die Tradition fort.
Heute bietet Arang ein stetig wachsendes Sortiment an Essentials der koreanischen Küche, von traditionellen Suppen über Würzmittel und Saucen bis zu Reis.
Was macht K-Food im europäischen Markt so spannend?
Für mich ist K-Food gerade deshalb so spannend, weil es das trifft, wonach viele Menschen heute suchen: Geschmack, Gesundheit und eine unkomplizierte Küche für jeden Tag. Die koreanische Küche ist so vielfältig und gleichzeitig so natürlich – mit viel Gemüse, Fermentation und kräftigen Aromen. Dass sie sich fast nebenbei veganisieren lässt, passt perfekt zu aktuellen Ernährungstrends. Ich erlebe oft, dass Menschen überrascht sind, wie einfach koreanisch kochen tatsächlich ist. Diese Mischung aus authentischen Rezepturen und einer modernen, bewussten Esskultur macht K-Food für Europa besonders attraktiv.
Wie beeinflusst die K-Wave die Bekanntheit von K-Food?
Die K-Wave, oder auch Hallyu-Welle genannt, hat koreanische Kultur weltweit sichtbar gemacht – und Essen spielt darin eine zentrale Rolle. In K-Dramen sind gemeinsame Mahlzeiten ein wichtiger Teil der Erzählung, und auch K-Pop-Stars teilen ihre Lieblingsgerichte. Dadurch entsteht eine emotionale Neugier, die Menschen schnell dazu bringt, koreanische Küche selbst auszuprobieren. Besonders spannend finde ich, dass diese Entwicklung kein Zufall ist: Südkorea fördert Kulturexporte seit Jahren sehr gezielt. Als Deutsch-Koreanerin berührt es mich, wie Kunst, Medien und Kulinarik zu einer Brücke zwischen Kulturen werden.
Was unterscheidet K-Food von chinesischer oder japanischer Küche?
Geschmacklich ist die koreanische Küche deutlich herzhafter und mutiger. Zutaten wie Doenjang oder Gochujang verleihen vielen Gerichten eine Tiefe und Wärme, die man sofort wiedererkennt. Gleichzeitig verändert sich auch die Wahrnehmung anderer asiatischer Küchen: Noch vor 20 Jahren dachten viele bei chinesischer Küche vor allem an Hähnchen süß-sauer und bei japanischer Küche ausschließlich an Sushi. Heute erleben wir eine viel stärkere Differenzierung – handgezogene Biang-Biang-Nudeln prägen moderne chinesische Lokale, und Japan wird über Sushi hinaus zum Beispiel auch für hochwertige Ramengerichte wahrgenommen.
Inmitten dieser Entwicklung entsteht ganz selbstverständlich Raum für koreanische Gerichte im Alltag. Menschen sind offener für neue Aromen, und K-Food bringt dabei eine eigene, charakteristische Geschmackswelt mit, die sich klar von anderen asiatischen Küchen unterscheidet.
Ein wesentlicher Bestandteil der koreanischen Küche: Gochugaru. (Bild: © Arang)
Welche Strategien funktionieren, um K-Food authentisch und alltagstauglich zu positionieren?
Am besten ist alles, was Hemmschwellen abbaut. Social Media eignet sich hervorragend dafür – durch kurze Einblicke in die Küche, einfache Rezepte und praktische Anleitungen. Entscheidend ist jedoch, dass es nicht nur bei schönen Bildern bleibt. Menschen müssen erleben, dass sie koreanische Gerichte wirklich selbst zubereiten können und der Geschmack überzeugt. Genau dieser Moment – wenn jemand merkt „Das funktioniert auch bei mir zu Hause!“ – macht die Küche nahbar und schafft Vertrauen. So entsteht ein natürlicher Zugang zu K-Food im Alltag.
Wie wichtig ist Storytelling im K-Food-Marketing?
Storytelling spielt eine enorme Rolle, weil K-Food für viele Menschen immer noch ein Stück weit Neuland ist. Wenn ich erzähle, warum bestimmte Rezepte für mich eine Bedeutung haben oder wie ich mit Arang aufgewachsen bin, bekommen Produkte automatisch eine kulturelle Tiefe. Gerade jüngere Konsumentinnen und Konsumenten reagieren stark auf Authentizität. Sie wollen wissen, wer hinter einer Marke steht und welche Werte sie prägen. Geschichten schaffen Nähe – und machen koreanische Küche nicht nur geschmacklich, sondern auch emotional erfahrbar.
Welche Rolle spielen nachhaltige und pflanzenbasierte Produkte?
Ich sehe hier großes Potenzial, auch wenn der Markt noch am Anfang steht. Im Handel begegnen viele K-Food bislang vor allem als Instant-Produkte – ein guter Einstieg, aber nicht repräsentativ für die Vielfalt der Küche. In der Gastronomie prägen Trendgerichte wie Korean Fried Chicken oder Korean Barbecue das Bild.
Gerade deshalb war mein erstes Produkt bewusst die koreanische Algensuppe: ein traditionelles Gericht, das zwei Entwicklungen vereint – den Wandel hin zu bewusster Ernährung und die steigende Bedeutung von Algen als nachhaltigem Lebensmittel. Für manche wirkt dieses Produkt noch ungewöhnlich, aber genau darin liegt die Chance.
Eine Tüte mit Gochugaru von Arang umringt von Schüsseln mit gewürzten Lebensmitteln wie Kimchi oder Gurken – repräsentativ für die koreanische Küche. (© Arang)
Wie vereint Arang traditionelle Rezepte mit europäischem Alltag?
Mein Ziel war es von Anfang an, koreanische Küche so erlebbar zu machen, wie ich sie aus meiner Familie kenne – ohne komplizierte Schritte, aber mit voller Authentizität. Gleichzeitig möchte ich Menschen inspirieren, ihrem Alltag kurz zu entfliehen und kulinarisch neue Wege zu gehen. Viele fragen sich täglich: „Was koche ich heute?“ – genau dort setzen unsere Produkte und Rezepte an.
Die Algensuppen muss man nur erwärmen, und trotzdem schmecken sie wie ein traditionelles Gericht aus Korea. Unsere Saucen lassen sich vielseitig einsetzen: marinieren, dippen, würzen. Kundinnen und Kunden sagen mir oft, dass Arang ihnen die Hemmschwelle genommen hat, koreanische Küche auszuprobieren. Genau das treibt mich an.
Welche Marketingstrategien nutzt Arang, um Authentizität und Innovation zu verbinden?
Für Arang ist Social Media mehr als ein Marketingkanal – es ist ein Ort, an dem ich meine Geschichte erzähle und zeigen kann, was alles hinter der koreanischen Küche steckt. Menschen wollen nicht nur Produkte sehen, sondern die Persönlichkeit dahinter. Gleichzeitig entwickeln wir Produkte, die traditionelle Aromen für den modernen Alltag neu interpretieren. Mein Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ hat diese Mischung aus persönlicher Gründerstory und innovativen Convenience-Produkten stark verstärkt.
Und genauso wichtig bleibt das Erleben vor Ort: Bei Food-Events oder meinen Kochkursen probieren Menschen koreanische Gerichte direkt, stellen Fragen und spüren die Begeisterung. Diese Begegnungen schaffen eine Verbindung, die digital allein nicht möglich wäre.
Fazit: Koreanische Küche als Trendfood der Zukunft
Gründerin Sung-Hee Kim zeigt mit ihrem Unternehmen Arang eindrucksvoll, wie die koreanische Küche den aktuellen Zeitgeist trifft. Mit innovativen Produkten spricht sie Menschen an, die sich gesund und modern ernähren möchten, und bietet ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, in die koreanische Kultur einzutauchen: mit fermentierten Lebensmitteln, pflanzlichen Gerichten und alltagstauglichen Rezepten für zu Hause.
Weiterführende Links:
https://www.anuga.de/magazin/beitraege/koreanische-innovationen-zwischen-streetfood-und-hightech.php
Autorin
Madlen Pekrul