Köln: 07.–11.10.2023 #anuga

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Perspektiven der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit öffnet neue (Ernährungs-)Horizonte

Einer der Megatrends (nicht nur) im Bereich Ernährung ist Nachhaltigkeit, und das nicht erst seit gestern. So haben die Anuga und deren ideeller Träger, die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) gemeinsam mit Innova Market Insights bereits vergangenes Jahr die Studie „Nachhaltigkeitstrends in der Ernährungsindustrie 2021“ vorgestellt. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der BVE, zu den Ergebnissen: „Unsere Studie zeigt, wie vielfältig und innovativ die deutschen Unternehmen an das Thema Nachhaltigkeit herangehen und mit vielen verschiedenen Facetten umsetzen – von neuen Rohstoffen über höhere ethische Ansprüche bis hin zu technologischen Ansätzen ist alles dabei.

Unbestreitbar ist: Klimawandel, Ressourcenknappheit und die Abnahme von verfügbarem Land fordern von allen Beteiligten der Branche ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln. So sehen es auch etablierte Player bis hin zum Start-up-Unternehmen, die im Rahmen der Anuga HORIZON Sessions auf der Anuga 2021 Konzepte und Produkte für ein nachhaltiges, zukunftsfähiges Foodsystem präsentierten, das die Versorgungssicherheit unter hohen ethischen, sozialen und umweltgerechten Standards gewährleistet.

anuga Horizon

Anuga Horizon Session auf der Anuga 2021 über das Thema Sustainability mit Alexander Piutti (SPRK), Jaclyn Schnau (Pumkin Organics) und Carolin Stüdemann (Viva con Agua)

Von der Verschwendung zur Wertschöpfung

Eines der vorrangigen Nachhaltigkeitsziele ist die Reduzierung von CO2-Emissionen, um den Klimawandel zu verlangsamen und bestenfalls zu stoppen. Immerhin sind auf Lebensmittelverschwendung fünf Mal mehr CO2-Emissionen zurückzuführen als auf den Flugverkehr. Lebensmittelabfälle tragen zu zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Was liegt also näher, als sich der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung zu widmen? Das dachte sich auch Alexander Piutti, Gründer und CEO von SPRK Global, einer im März 2020 an den Start gegangenen AI-basierten Technologieplattform für B2B-Food-Exchange. „Unvorstellbarer Weise werden jedes Jahr 2,5 Mrd. Tonnen Lebensmittel verschwendet, jeden Tag sind es 750.000 LKW-Ladungen“, so der Pionier. Fakt ist: 40 Prozent aller verschwendeten Lebensmittel entstehen durch Überproduktion, d.h. die meisten Lebensmittel landen im Müll, bevor sie zum Kunden gelangen. Das Problem liegt also in der Lieferkette, und genau die wird durch SPRK optimiert. „Wir bieten mit unserer globalen B2B-Lebensmittelbörse die Möglichkeit, überschüssige Lebensmittel mit der Nachfrage in Einklang zu bringen, indem sie effizient verteilt werden, anstatt sie zu verschwenden“, erläutert Piutti das Konzept. Anspruchsvolles Ziel des Start-ups: Die Lebensmittelverschwendung bis 2032 um die Hälfte zu reduzieren. Ein Anfang ist gemacht: Immerhin konnten in den ersten anderthalb Jahren 400 Tonnen Lebensmittel an Partnerunternehmen (50 sind es derzeit) vermittelt und dadurch 1.000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden.

Chart Food Waste SPRK mit Alexander Piutti

Anuga Horizon Session auf der Anuga 2021 über das Thema Sustainability: Chart Food Waste SPRK mit Alexander Piutti

Laut SPRK liegt das Marktpotenzial von Food-Exchange bei 480 Mrd. Euro. „SPRK ermöglicht den Schritt von der Verschwendung zu Wertschöpfung, schützt Ressourcen und Umwelt und erleichtert den systemischen Wandel.“ Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Die Partner visualisieren überschüssige Produkte auf der Plattform, der Algorithmus sucht und findet Matches. Die Produkte werden – je nach Match – entweder durch Logistikpartner von SPRK weiterverteilt, z.B. an Hersteller, Caterer oder NGOs, oder bei Partnerunternehmen weiterverarbeitet, beispielsweise zu Suppen, Säften, Fertiggerichten etc., und an Interessenten wie Kantinen oder Kliniken verkauft.

Den Verbraucher im Fokus – Gesunde Ernährung für Baby und Kleinkinder

Ethische und ökologische Werte nehmen mittlerweile im Bewusstsein der Verbraucher – nochmals forciert durch die Pandemie – eine wesentliche Stellung ein. Die Ansprüche der Konsumenten an Produkte und Unternehmen sind einem gravierenden Wandel unterworfen. Das 2016 von Jaclyn Schnau in München gegründete Unternehmen Pumpkin Organics möchte diesem neuen Bewusstsein gerecht werden und stellt die Bedürfnisse seiner Zielgruppe, nämlich Babys und deren Eltern, in den Mittelpunkt seiner Strategie. „Das derzeitige Angebot an Lebensmitteln ist nicht durch das geprägt, was wir brauchen, sondern durch Umsatzaspekte“, ist die gebürtige Kanadierin überzeugt und möchte es mit gesunder Beikost und Snacks für Babys und Kleinkinder anders machen. „Mein Konzept basiert auf Natur und Wissenschaft statt auf Marketing und Profit.

Chart Pumpkin Organics mit Jaclyn Schnau

Anuga Horizon Session auf der Anuga 2021 über das Thema Sustainability. Chart Pumpkin Organics mit Jaclyn Schnau

Es braucht Leidenschaft und Authentizität, um andere zu berühren“, erläutert Jaclyn. Dabei liegt den Produkten die Annahme der Ernährungswissenschaft zugrunde, dass die ersten 1.000 Tage die Ernährungsgewohnheiten eines Menschen nachhaltig prägen (sog. Metabolische Prägung). Wer als Baby und Kleinkind gesund ernährt wird, wird dies voraussichtlich für den Rest seines Lebens beibehalten. Bei diesem Bestreben möchte Jaclyn Schnau, die über Erfahrungen in großen Lebensmittelkonzernen verfügt, die Eltern mit ihrem nachhaltigen Sortiment unterstützen. Nicht ohne Grund lautet der Slogan von Pumpkin Organics: „Gemüse Liebe leicht gemacht.“ Dass sämtliche Produkte zu 100 Prozent bio sind und mit weniger Zucker sowie ohne jegliche Zusätze auskommen, versteht sich von selbst. Zudem werden ausschließlich regionale Zutaten verwendet, und Pumpkin Organics ist als weltweit erstes Unternehmen für Babynahrung zu 100 Prozent klimaneutral zertifiziert. „Gewohnheiten, die in der Kindheit gelernt werden, machen einen großen Unterschied. Durch die Vielzahl an verwendeten Zutaten und Rezepten unterstützen wir bzw. eigentlich die Eltern die Entwicklung der Geschmacksknospen ihrer Kinder und etablieren gesunde Essgewohnheiten. Die Abhängigkeit von Zucker wird reduziert und damit Folgeerkrankungen wie z.B. Diabetes Typ 2, die heutzutage bei Kindern vermehrt auftreten.“

Aus St. Pauli in die ganze Welt – nachhaltige Wasserversorgung

2016 haben die Mitglieder der UN 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDG) definiert, die als Agenda bis 2030 umgesetzt werden sollen. Nr. 6 beinhaltet Wasser und Sanitätsversorgung für alle. Nach wie vor ist es jedoch so, dass rund 785 Millionen Menschen über keine Grundversorgung mit Trinkwasser verfügen, und 1,7 Mrd. Menschen noch nicht einmal Zugang zu sanitärer Grundversorgung haben.

Viva con Agua engagiert sich seit knapp 17 Jahren auf genau diesem Gebiet – und das auch kommerziell höchst erfolgreich. Das Hamburger Unternehmen beweist: Es ist möglich Nachhaltigkeit und kommerziellen Erfolg zu vereinbaren. Dem ehemaligen Fußballspieler des FC St. Pauli und Gründer von Viva con Agua Benjamin Adrion wurde während eines Trainingscamps auf Kuba bewusst, wie wichtig der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist. Folgerichtig schuf er mit dem Unternehmen in St. Pauli die Basis für eine große, weltweite Bewegung und ist mittlerweile Träger des Bundesverdienstkreuzes. „Heute haben wir allein in Deutschland etwa 10.000 freiwillige Unterstützer, darunter prominente Förderer wie Manuel Neuer oder Barbara Schöneberger“, sagt CEO Carolin Stüdemann und betont: „Uns ist es ein Anliegen, die Sache nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Freude voranzutreiben.“

Anuga Horizon Session auf der Anuga 2021 über das Thema Sustainability mit Carolin Stüdemann, CEO Viva con Agua

Anuga Horizon Session auf der Anuga 2021 über das Thema Sustainability mit Carolin Stüdemann, CEO Viva con Agua

Das Konzept von Viva con Agua steht auf zwei Säulen: Zum einen werden die ganzheitlich konzipierten WASH-Projekte (Wasser, Sanitär, Hygiene) durch Spendengelder finanziert. „Dabei ist unser Zugang oft spielerisch und läuft über Sport-, Musik- oder Kunst-Events“, erläutert die CEO. Ein Beispiel dafür ist die Millerntor Gallery im gleichnamigen Stadion, während der den Besuchern ein vielfältiges Konzert-, Kultur- und Bildungsprogramm geboten wird. Die andere Säule stellen Geschäftsmodelle dar, wie z.B. der Verkauf von Mineralwasser oder ein Hotel in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs, das Ende 2023 eröffnet werden soll, in dem Gäste quasi im Schlaf Gutes tun. Carolin Stüdemann ist sich

sicher: „Eine Gruppe von Menschen kann einem Anliegen mehr Aufmerksamkeit verschaffen, und Konsum kann das Angebot verändern. Zudem haben Start-ups die Chance zu zeigen, dass neue Ideen funktionieren und können damit zum Vorbild für größere und oft auch schwerfälligere Unternehmen werden.“

Diese Beispiele deuten an, welche Bandbreite und Chancen das Thema Nachhaltigkeit im Bereich Lebensmittel umfasst und bietet. Die Anuga und die Anuga HORIZON in Köln sind der Place-to-be, wenn es darum geht, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen sowie neue Initiativen und Technologien zu entdecken, die eine nachhaltige und gesunde Produktion sicherstellen und eine Ausbeutung von Ressourcen verhindern.

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